FÜR DEN ARSCH von GUY HOCQUENGHEM

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FÜR DEN ARSCH von GUY HOCQUENGHEM

FÜR DEN ARSCH von GUY HOCQUENGHEM

August Verlag, Berlin 2019
Paperback, 150 Seiten


Verlagstext:

Bei keinem Autor sind die Hoffnungen über die politischen Möglichkeiten einer schwulen Subjektivität und Gemeinschaft größer und die Analyse ihres Scheiterns erbarmungsloser gewesen als bei dem französischen Theoretiker, Aktivisten und Schriftsteller Guy Hocquenghem (1946-1988). Damit wurde er zu einem Queertheoretiker avant la lettre. Die wichtigsten Quellen seiner in den 1970er Jahrenentstandenen theoretischen Texte waren zum einen die Psychoanalyse-Kritik von Gilles Deleuze und Félix Guattari, zum anderen seine politische Arbeit innerhalb der französischen Schwulenbewegung als Mitglied der Front Homosexuel d’Action Révolutionnaire (FHAR). Mit diesen Referenzen ist Hocquenghem ein Stichwortgeber für aktuelle queere Debatten: Denn eine Deleuzianische Queer Theory erweist sich als Alternative zu einem performativen Identitätsverständnis nach Judith Butler und mit Hocquenghems Aktivismus im Frankreich der 1970er Jahre werden postkoloniale Fragen, wie z.B. das Verhältnis von Europäern und Arabern, Teil der Auseinandersetzung. Die hier versammelten und 1973 in der Ausgabe Trois milliards de pervers der Zeitschrift Recherches zum ersten Mal erschienenen Texte Hocquenghems kreisen dabei immer wieder um eine Frage, die vom Standpunkt einer auf rechtliche Anerkennung und Respektabilität verpflichteten Schwulen- und Lesbenbewegung inzwischen skandalös erscheint: Welche subjektive, soziale und politische Bedeutung hat die libidinöse Besetzung des Arsches beim Sex zwischen Männern? Sie verweisen auf die Verschränkung von Politik und Begehren in der Moderne. Hoquenghem erinnert damit daran, dass eine queere Kritik nicht ohne Bezugnahme auf das „Perverse“ der Sexualität auskommen kann.

Die von Felix Guattari herausgegeben Ausgabe der Zeitschrift Recherches wurde unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung verboten, die Auflage vernichtet. Ein Nachdruck erfolgte 1978, eine deutsche Ausgabe erschien 1980 im Verlag Rosa Winkel. Hocquenghems Beitrag erscheint nun erstmals als eigenständiger Band in einer neuen Übersetzung von Tobias Haberkorn. Begleitet wird sie von einem ausführlichen Essay von Peter Rehberg.

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