DAS HUNDELEBEN DER JUANITA NARBONI von ÁNGEL VÁZQUEZ

Art.Nr.: 08346

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Produktbeschreibung

Droschl Verlag, Graz 2005
Hardcover, 376 Seiten

Verlagstext

Die einzige Stimme dieses außergewöhnlichen Romans gehört Juanita Narboni: englischer Pass (da in Gibraltar geboren), italienischer Familienname, jedoch Andalusierin wie ihre Mutter – eine Figur, hinter der unschwer die Mutter des Autors zu erkennen ist. Sie beschreibt den fortschreitenden Niedergang ihres Lebens, den Weg in Einsamkeit und Elend, der zugleich auch der von Tanger ist. Eine Frauenfigur, die zutiefst lächerlich ist, kitschig, erschütternd und berührend, eine Figur von gelegentlicher und außerordentlicher Scharfsichtigkeit, hasserfüllt und dabei voller Liebeserwartungen, voller Fehler und ohne jedes Schuldgefühl.
Vázquez organisiert in diesem ›Monolog‹ eine Erzählzeit, die vom 6. Juni 1914 bis in die Anfänge der 60er Jahre reicht, ein halbes Jahrhundert in alltäglichen Momentaufnahmen. Was sich in dem lächerlich-traurigen Leben Juanitas verkörpert, ist gleichzeitig auch das Schicksal einer zu Ende gehenden Kolonialgesellschaft. Juanitas Stimme und Persönlichkeit ist dabei immer von ungebrochener Präsenz, ob sie nun scharfsichtig oder konfus, ob sie von ihrer Kindheit oder von ihrem einsamen Alter, von Hollywood-Filmen oder argentinischen Tangos, ob sie öffentlich oder privat spricht – eine Vitalität, die die Übersetzerin (und Schriftstellerin) Gundi Feyrer beeindruckend ins Deutsche gebracht hat.
Und Juanitas Sprache ist die eigentliche Protagonistin des Romans. Ein getreuer Spiegel der kaleidoskopischen Realität Juanitas, ist ihre Sprache originell, derb, drastisch, durchsetzt mit den vielen Sprachen der Bewohner Tangers, in erster Linie dem Haketía, dem Spanisch der sephardischen Juden Marokkos, denen Vázquez hier ein Denkmal setzt.

Ángel Vázquez, 1929 in Tanger geboren, geht 1965 nach Spanien, wo er 1980 in Madrid stirbt; veröffentlicht zwischen 1955 und 1976 mehrere Erzählungen und drei Romane, für deren ersten er 1962 den angesehenen Planeta-Preis erhält. Vázquez wächst in traumatisierenden Familienverhältnissen auf (seine Kindheit bringt er in einem Käfig zu, von der Decke des Hutgeschäfts seiner Mutter hängend und dem Klatsch der mehrheitlich sephardischen weiblichen Kundschaft zuhörend), besucht nacheinander das italienische, französische und spanische Kolleg, verschlingt die Bibliotheken der Stadt, geht Gelegenheitsarbeiten nach, ist Sekretär eines ungarischen Holocaust-Überlebenden, Buchhändler in der berühmten Librairie des Colonnes, Zeitungsredakteur.<br>
Vázquez (»der einzige große Schriftsteller, den diese Stadt hervorgebracht hat«) in einem Brief: »Ich bin völlig korrupt. Egoist, ohne Glauben an Gott und ohne jedes Vertrauen in mich selbst. Schwul, Alkoholiker, jedweder Droge zugeneigt, Kleptomane … Jean Genet und Maurice Sachs und ein bißchen Violette Leduc, in Taschenbuchausgabe.«

die schwulen Buchläden:

Juanita Narboni ist eine Tochter aus gutem Hause. Nicht zu gut, aber immerhin so, dass man am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilhaben kann und dort ein kleines Haus sein Eigen nennt. In Tanger, jener Stadt, die wie keine zweite in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum realen und literarischen Fluchtpunkt für so viele wurde: die kolonialen Herren (und ihre Damen!) zuerst, später Franco-Flüchtlinge, Juden und last not least amerikanische und europäische Bohemiens, unter ihnen reichlich Schwule.

Vázquez, selbst schwuler Tangerino, setzte 1976, in Barcelona lebend, mit "Juanita Narboni" dieser Stadt, ihrer internationalen Glanzzeit sowie ihrem Niedergang ein literarisches Denkmal: Juanita, die Eltern längst begraben, bleibt nach und nach alleine zurück, ihr soziales Umfeld bröckelt wie die ehemals glanzvollen Hotels und Kinos und sie plappert sich grandios über mehr als 300 Seiten und 50 Jahre. In inneren Monologen und realer Sprache (die manchmal unmerklich ineinander über gehen) lässt sie uns teilhaben an ihren Freuden, Sorgen und Hoffnungen, ihren All- und Festtagen und stellt uns en passant auch das schwule Personal der Stadt vor. Vergleiche mit Joyce oder Cabrera-Infante liegen nahe.