DIE ERBÄRMLICHKEIT DES KRIEGES von WILFRED OWEN

Art.Nr.: 18378

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Produktbeschreibung

GESAMMELTE GEDICHTE UND AUSGEWÄHLTE BRIEFE

Edition Revers im Verlagshaus Berlin (J. Frank), Berlin 2025 (3., erw. & überarbeitete Auflage)
Aus dem Englischen von Johannes CS Frank
Mit Illustrationen von Andrea Schmidt und einem Nachwort des Übersetzers
Softcover, 148 Seiten

Verlagstext:

Mit Wilfred Owen (1893-1918) stirbt vier Tage vor dem Ende des ersten Weltkrieges ein junger Dichter einer, wenn nicht sogar der wichtigste der War Poets, Kriegsdichter englischer Sprache. Seine Gedichte zählen zum kulturellen Gedächtnis Großbritanniens, sind aber in Deutschland weithin unbekannt, eine vollständige Übersetzung seiner Kriegsgedichte lag vor Erscheinen dieses Bandes nicht vor.

2014 jährt sich zum einhundertsten Mal der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, jenes Ereignis, das eine rasche Abfolge zivilisatorischer Katastrophen und martialischer Kriege einläutete und die Funken, die Freiheit hießen, in Europa für lange Zeit ersticken sollten. Wilfred Owen gibt in seinen Gedichten wie kein anderer Einblicke in die Erbärmlichkeit des Krieges, in seine Konsequenzen für das Individuum und für Gesellschaften.

Owens Gedichte sind keine, die in patriotischer Geste Feinde Feinden gegenüberstellen: Der Krieg macht alle, die in ihm leben müssen, zu Kameraden der Erbärmlichkeit. Und wo andere Dichter Trost im Nationalen suchten, Nationen als Sehnsuchtsorte imaginierten, ist das Erleben und das Sehnen Owens auf die Menschlichkeit ausgerichtet. Mit Schärfe schaut er auf die Konstruktionen, die Menschen zusammenhalten, auf die leeren Versprechungen von Christentum oder Nation. In der Erbärmlichkeit findet Owen Schönheit, ohne das Leiden zu ästhetisieren, Leiden, ohne Schönes darin zu stilisieren. Seine Briefe zeigen zudem einen schmerzlichen Kontrast zwischen dem Leben an der Front und dem Leben in der Heimat auf. Die Rezeption in Deutschland tut sich bis heute schwer mit Dichtern der sogenannten Sieger des Ersten Weltkrieges. Aber auch dieser Band zeigt, dass von Siegern zu sprechen nicht möglich ist im Angesicht der Erbärmlichkeit des Krieges.

"Dieses Buch handelt nicht von Helden. Die englische Dichtung ist noch nicht so weit,
von ihnen zu sprechen.
Weder handelt es von Taten, von Ländern, noch von irgendetwas wie Ehre, Ruhm,
Macht, Majestäten, Herrschaft oder Kraft außer von Krieg.
Vor allem befasse ich mich nicht mit Dichtung.
Es geht mir um den Krieg und um die Erbärmlichkeit des Krieges.
Die Lyrik findet sich in der Erbärmlichkeit.
Allerdings sind meine Klagelieder in keinem Sinne tröstlich für diese Generation.
Vielleicht sind sie es für die nächste."

Erlkoenig sagt:

In England legendär - hier völlig unbekannt. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie wenig die Rede von einem "gemeinsamen kulturellen Erbe Europas" oft der Wirklichkeit standhält... Aber gut: spät ist nie zu spät...

Ein weiteres "pikantes" Thema bei Wilfred Owen ist seine Homosexualität. Die passte natürlich nicht ins Bild des Nationaldichters und wurde daher auch viele Jahrzehnte verleugnet und vertuscht, unter anderem von seiner eigenen Familie. Dabei wäre Owen wohl kaum ein bedeutender Dichter geworden, hätte er nicht 1917 im Kriegslazarett den bereits bekannten Dichter Siegfried Sassoon kennen und lieben gelernt. Unter Sassoons Einfluss, der Owen unter anderem mit diversen anderen homosexuellen Schriftstellern bekannt machte, entwickelte Owen erst den individuellen Stil, der sein "Spätwerk" auszeichnete. Für dessen "Vollendung" blieb Wilfred Owen dann weniger als ein Jahr Zeit: am 4. November 1918 fiel er bei Ors in Nordfrankreich - wenige Tage vor dem Ende des Krieges. Den passenden "Kommentar" hierzu hatte er in seinem berühmtesten Gedicht "Dulce et decorum est" selbst verfasst:


The old Lie: Dulce et decorum est
Pro patria mori.

Wilfred Owen 

Portrait of Wilfred Owen, found in a collection of his poems from 1920